Das erste Mal – Camping mit dem Wohnwagen.

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Und so gingen sie also dahin, die Jahre im Zelt. Denn wir waren verfallen, dem Camping Virus. Auch Stürme und Dauerregen konnten uns nicht wirklich etwas ausmachen (ja, meine damalige Freundin würde nun sicherlich sagen, dass ich vielleicht das ein oder andere mal ganz leise vor mich her geschimpft habe…). Ganz leise.

Das gebe ich zu. Sehr vereinzelt. Etwa bei drei Tagen Dauerregen und den ersten undichten Stellen in unserem Zelt. Doch was macht der regenerprobte Ostwestfale? Kauft eine überteuerte Plane und schmeisst sie über das Zelt. Wat mutt, dat mutt. Und wenn das Wasser von unten kommt?

Easy. Dann beschimpft man schnell Gott und die Welt, baut das Zelt mit leichtem Grollen Tage vor der eigentlichen Abreise ab, wirft den ganzen Mist ins Auto, muss beim Zahlen des Platzes die Mittagspause abwarten, sieht die Wolkendecke derweil aufreissen und die ersten Sonnenstrahlen seit Tagen durch immer größer werdende Lücken scheinen, schafft das Geraffel vor dem Auschecken wieder auf den Platz und baut alles in Rekordzeit wieder auf. Das Gesicht der Platznachbarn? UN BE ZAHL BAR…!

Doch irgendwann war sie dann da – unsere Tochter. Und mit ihr der Gedanke, dass das Hausen in einem mittlerweile nicht mehr dem besten Zelt mit einem Kleinkind eher blöd sein könnte. Und doch wollten und konnten und durften wir die liebgewonnene Art der Urlaubsgestaltung nicht schon wieder aufgeben. Wer einmal eine Pizza Jesolo International mit Ei und „Würstel“ gegessen hat, die die Größe eines Wagenrades aufweist, der kann nicht einfach wieder nach Gran Canaria fliegen, als wäre nichts geschehen. Es musste ergo etwas geschehen.

DER ERSTE WOHNWAGEN.

Und es geschah etwas: wir mieteten einen Wohnwagen bei uns im Ort. Wieder mit mehr Glück als Verstand war zu einem guten Kurs ein etwas älterer Hobby Wohnwagen verfügbar. Oder besser gesagt: zwei Boliden standen zu Auswahl. Ein Bolidchen. Und ein wirklicher Bolide. Natürlich wusste ich, dass ich bis zu diesem Sommer noch nie Hänger gefahren bis. Doch so schwer kann das ja nicht sein. Also war die Entscheidung klar: der Hobby 560 KmFE sollte für 14 Tage unser treuer Begleiter sein. (Leider finde ich aktuell keine Bilder – werde mich aber auf die Suche begeben!).

Nach einer mehr als flotten Einweisung (in der Zeit ist nicht mal ein Ei gekocht…!) ging es also los. Unter Umständen ganz leicht überladen und sonst absolut planlos (ja, ich weiss – das war nicht vernünftig…) hingen also 1800 Kilo hinter meinem 320d – und irgendwie ging es über den Tauern. Mit Übernachtung kurz vor der italienischen Grenze. Offiziell wollten wir der Lütten die 600 km am Stück nicht zumuten. Inoffiziell war auch ich nach den 350 km froh, Pause zu haben.

RANGIEREN MIT GESPANN.

Alter Verwalter. Da musste ich 36 Jahre alt werden, um zum ersten Mal rückwärts ein Gespann zu bewegen. Auf einem Autobahngasthof. Einem recht leeren Parkplatz. Flankiert von einigen LKW Fahrern. Denen ich die Schau der Woche bieten durfte. Einige stiegen sogar aus und schauten sich das Unheil akribisch an. ANSTATT ZU HELFEN!!! Aber nun denn – irgendwann stand ich fast so wie ich wollte. Fast. Nahezu. In etwa. Aber ich stand. Und wir kamen zur Ruhe. Die Lütte schlief im Stockbett und wir tranken ein Glas Cuba Libre. Also ich. Meine Dame einen Prosecco. Es gibt Momente, die vergisst man nie. Dieser gehört dazu.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter gen Jesolo. Alles easy, alles entspannt. Rauf auf den Platz und daaaaamn. Hier ist es eng. Enger als auf dem Parkplatz. Viel enger…! Doch waren die Anwesenden gestern noch schauende Zaungäste, kamen heute wie aus dem Nichts fleissige Helfer, die – ehe ich mich versah – den Wohni abkoppelten und auf unseren Platz schoben. Zack. Fertig.

Ein Vorzelt hatten wir damals nicht dabei, lediglich ein grosses Sonnensegel, so dass der Aufbau nach wenigen Minuten passiert war. Stühle raus. Tisch raus. Teppich hingefeuert. Fertig. Welch Gefühl war das, das erste Mal Jesolo mit Wohnwagen. Mit Bett. Und TV. Und Waschgelegenheit im Wohni. Und der Gewissheit, dass auch bei Regen und dem in Jesolo fast schon obligatorischen Hochwasser auf dem Platz nichts mehr passieren kann.

WIR WOLLEN.

Welch toller Urlaub. Welch tolle Tage. Welch Luxus. Und mit einer Gewissheit fuhren wir nach 14 Tagen wieder heim: ja, wir wollen. Wir wollen einen Wohnwagen, einen eigenen. Etwas kleiner. Und vor allem schmäler, immerhin haben die 2,50 des Hobbys mich an den Mautstellen dann doch mit einigen Schweissperlen versehen. Aber vor allem wollen wir einen eigenen Wohnwagen, der nur uns gehört. Den wir so einrichten wie wir es wollen. In dessen Bett nur wir schlafen… Mit dem wir nicht nur einmal im Jahr losdüsen, sondern immer, wenn wir es wollen.

Und genau den bekamen wir. Aber das – ist eine andere Geschichte…

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