Kurztrip 2012 – Platzhopping für Große.

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Hier ein Bericht aus dem Jahr 2012. Viel Spass beim Lesen…

Platz-Hopping für Große

Da sind wir also wieder. Back home. Nach einer gefühlten Ewigkeit, tatsächlich sehe ich beim Blick auf den Kalender, wir waren nur 4 Tage unterwegs. Doch von Anfang an:

Letzten Freitag den Tag beim Namen genommen und frei gehabt. Die Holde noch schnell zur Arbeit geschickt, das Kind zu Oma verfrachtet und dann das getan, was ein Mann tun muss. Den Wohni herrichten. Fahrradträger fertig montieren. Das gute ALDI Süd LED Band auf die Schränke im Schlafbereich geklebt und fachmännisch das Kabel rangetüddelt. Bevor die ersten Fragen kommen: ja, rot geht auch. Kann. Muss aber nicht…

Natürlich noch den Wagen durch die Waschstraße gefahren und nach drei Jahren auch mal wieder ausgesaugt. Geht ja immerhin in den Urlaub. Richtung Gardasee. Natürlich hat auch das Reiseziel noch eine Vorgeschichte.

So saßen wir letzte Woche abends mit unseren Nachbarn / Freunden zusammen, genossen die laue Luft und ein zwei Glaserl, als ich die gute Stimmung schlagartig vernichtete. „Wir fahren übers Wochenende jetzt übrigens an den Waginger See…“ – „WAAAASSSS?!?!“, kreischte unsere Freundin. „Ich denke, ihr wollt zum Gardasee?!?!“

Ja klar. 850 km für drei Tage. Plus Maut. Und Pipapo. Mir fällt das Geld ja auch aus dem Rücken… Doch dann geschah es. Beim Anblick meiner schweigenden Frau wusste ich es sofort. Den Waginger See kann ich mir abschminken. So sehr sich ein Mann auch nur etwas abschminken kann. Abends sagte sie nur traurig: „Gardasee wäre halt toll gewesen. Aber nun gut…“

Zack. Die Reservierung in Waging widerrufen. Ach, erste Seereihe und eine Wettervorhersage von 32 Grad sind auch wirklich egal. Verschiedene Plätze am Garda angeschrieben. Die Antworten waren immer die gleichen: entweder blieb meine Anfrage wohl auf dem Weg durch die Weiten des Netzes irgendwo hängen oder sie kam durch und löste eine automatisierte Reaktion aus: „Haben viele Plätze. Kommen Sie gerne.“ Na super. Irgendwann stand dann fest, der Bell´ Italia soll es werden. So – die Vorgeschichte. Nun wieder Freitag.

Die Anreise.

Gegen Mittag ging es dann los – und ja, meine Güte, mittlerweile freute ich mich auch auf Italien. Pizza. Und der ganze Kram. Weibchen ins Auto gesetzt und los ging es. A8 – Inntal – Brenner – Maut hier, Maut da – tanken. Für 1,80 der Liter Diesel. Ja leck mich fett. Aber ruhig, ist doch Urlaub. Wieso hab ich Arsch nicht noch in Ösiland getankt?! Egal, weiter gehts. Kurz vorm Gardasee in Peschiera bei Bell´ Italia angerufen. Habt Ihr noch einen Platz? Ja, nein, ich weiß nicht. So ungefähr lautete der Inhalt der fernmündlichen Antwort. Getreu des Mottos Versuch macht klug immer weiter gen Süden. Erstmal schön in Peschiera mangels einer verlässlichen Uschi (Navi) und einer guten Beschilderung am Platz vorbeigenietet. Ein Hoch auf Kreisverkehre. Zurück. Rauf auf den Platz. Keine Schlange am Check In. Und dank der „Billig Kart“ (ADAC Camp Card – so wurde sie vom netten Check In Herren genannt) für schlanke 16 Euro die Nacht rauf. Jetzt der informative Teil des Berichtes:

Bella Italia – schön gelegen. Großer Platz. Mit unfassbar kleinen Plätzchen. Unser 500 FDK passte so eben auf die Parzelle. Die Kurven kannst Du Dir mit einem Doppelachser von der Backe wischen. Ich habe keine Ahnung, wie das im Sommer bei voller Belegung klappen soll. Aber okay, sonst ist der Platz ganz schick. Der Supermarkt preislich völlig okay, das Restaurant passt und auch der Poolbereich ist wirklich klasse. So verbrachten wir den Samstag auch an diesem und konnten die Füße in den warmen Sand stecken (kleiner Bereich mit Sand vorhanden – der seltsamerweise fast völlog leer war…) und den blauen Himmel über uns genießen. Kurzum ein toller Tag. Abends nach dem Duschen (Sanis find ich nicht sooo prickelnd, habe ich schon sauberer erlebt…) dann in den Ort geschlendert und in der Pizzeria „Bella Vista“ wirklich toll gegessen. Lecker Wein, super Pizza und nette Leute. Doch dann geschah es: ich schaue ich das verteufelte Telefon mit dem angebissenen Apfel, schmeisse die Wettervorhersage an und – werde blaß.

Regen ab dem nächstebn Mittag. Ich denke kurz daran, einfach zu weinen. Oder meine Nachbarin zu verprügeln (remember: Waginger See, 32 Grad!). Doch weinen in der Öffentlichkeit schickt sich nicht, schon gar nicht in Italien und die Nachbarin war nicht greifbar. Also handeln. „Wir fahren morgen wieder…“ hörte meine Frau mich sagen und war sichtlich verwirrt. Schnell den Sachverhalt erklärt und so packten wir Sonntag Früh den ganzen Kram wieder zusammen. Eierten von diesen engsten aller engen Plätze.

Und fuhren gen Heimat. Jedoch nicht ganz – denn was sollen wir da? Das Kind ist noch bei der Oma. Die Arbeit braucht uns noch nicht. Und außerdem habe ich gelernt, wie ich meine SAT Anlage innerhalb von 5 Minuten aufbauen kann. Dieses Wissen wollte ich weiter ausbauen. Ergo geht es eben nicht nach Haching. Nein. Es geht nach Tirol. Zum Seeblick Toni. 1000 mal gehört. Noch nie gesehen. Jetzt sollte es geschehen…

Und weiter geht die wilde Wutz.

Wo standen wir? Ach ja, stehen. Das ist das Stichwort. Zumindest fast, denn wir stehen nicht, sondern wir fahren. Und zwar wieder über den Bernner, Richtung Tirol. Vorbei an Innsbruck. Und ab von der Bahn, schnell zum Toni. Wieder mal auf Uschi vertraut. Man, warum hat die auch eine so beruhigende Stimme, wenn sie sagt „links rechts, zapdidapp…“. Die Strassen wurden zu kleinen Strassen. Und noch kleiner. Mal ehrlich, ein wenig kann ich mittlerweile mit dem 12 Meter Gespann umgehen, aber doch nicht so! Weiß Uschi das denn nicht?! Also aus und mich auf meine bessere Hälfte konzentriert. Die den Weg wusste. Seltsam – ob sie früher auch mal Navi war? Sogar ein gutes? Immerhin kamen wir nun ohne Schwierigkeiten am SO Mittag in Kramsach an und Toni zeigte mir per Golfwagen seinen Platz. Und somit auch unseren Platz. Übrigens bei wunderbarstem Wetter… Direkt überm See. In netter Nachbarschaft. Abkuppeln, raufschieben, Stützen runter. Ihr kennt das Spiel… Und raus die Satschüssel. Ja, ich bekenne mich. Ich bin ein „Im Urlaub TV Schau Camper“. Der nun sogar das Prinzip einer Sat Anlage verstanden hat. Kurzer Exkurs:

Das TV ist bei uns galant im „Schlafzimmer“ verbaut. Kabel kommt im Kleiderschrank auf der anderen Seite wieder raus, von dort stecke ich es immer durch ein Loch im Strom“kasten“ nach draussen und dann ab an die Schüssel. Super. Doch seit letztem Herbst (Abcampen) wollte ich ums Verrecken keinen Empfang mehr bekommen. Nun weiß ich, warum. Nein, nicht nur der Kupferdraht ist wichtig. Nein nein nein. Auch das Drahtgeflecht außendrum ist wichtig und muss Kontakt haben. Wusste ich nicht. Jetzt weiß ich es. Und siehe da, nach keinen 5 Minuten sagt das Randgruppen TV Hallo zu mir. Super.

Und war die Pizza in Italien schon gut, so ist die Wirtschaft bei Toni noch besser. Schnitzel, was liebe ich Dich! Zwar preislich für mein Empfinden 1-2 Euro zu hoch, aber lecker. Und der Blick von der Terrasse. Berge. See. Alles da. Schick! Und wem das nicht reicht, der schlackert bei den Sanis mit den Ohren. Durch meinen wunderbaren Job bin ich locker die Hälfte des Jahres in Hotels. Und was wir bei Toni vorfanden, muss sich nicht hinter einem NH oder oder oder verstecken. Sauber. Ausreichend dimensioniert. Und wirklich toll. Absolute Empfehlung. Leider habe ich davon natürlich mal wieder kein Bild gemacht – sieht ja aber auch ein wenig seltsam aus, wenn ein Mann Ende 30 mit Kamera auf´s Örtchen geht. Da hört man ja ganz komische Dinge…

Am Montag waren wir dann noch – übrigens immer noch bei phantastischem Wetter! – im Tiroler Bauernhaus Musuem. Klingt auch erst mal komisch, ist es aber gar nicht. Da stehen um die 20 alte (saualte!) Bauernhöfe rum, die irgendwo in Tirol vor 400 Jahren aufgebaut, dann nun wieder abgebaut und dann doch wieder aufgebaut wurden. Wow. Zwar mussten wir lachen, als wir uns ansahen und feststellten, dass wir vor 25 Jahren wohl an Langeweile gestorben wären, nun aber aus dem Staunen gar nicht mehr rauskamen. Sehr zu empfehlen.

Abends dann noch das obligatorische Schnitzel reingeschmissen und das zweite Buch in 3 Tagen durchgelesen, TV angekurbelt und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Hach, und das war es dann auch wieder. Heute Morgen fix abgebaut, ran an die Kupplung und 120 km gen Heimat. Und da stehen wir nun wieder. Und sagen: schee war´s. Und garantiert aufregender als der Waginger See. Heute Abend sehe ich unsere Nachbarin wieder. Vielleicht drücke ich sie kurz und sage Danke für den Tritt in den Hintern… Denn – wir hatten eine geile Zeit.

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